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Rede One Billion Rising Tübingen 2014


HALLO UND HERZLICH WILLKOMMEN

ich bin Micha Schöller von der Orga Gruppe One Billion Rising und
Mitarbeiterin bei Frauen helfen Frauen Tübingen:
One Billion Rising findet weltweit heute zum zweiten Mal statt, dieses
Jahr unter dem Motto „ rising for justice“- aufstehen für Gerechtigkeit.
Schmerz in Stärke verwandeln - das hat sich die Feministin Eve Ensler
zur Lebensaufgabe gemacht, als sie 2013 mit anderen Frauen die
Aktion One Billion Rising startete. Mit der Kampagne rief sie Frauen auf
der ganzen Welt auf, am 14. Februar auf die Straße zu gehen und
tanzend gegen Gewalt zu protestieren.- Millionen Menschen in 190
Ländern – wie auch circa 600 Menschen hier in Tübingen- folgten ihrem
Aufruf.


In vielen Ländern führte One Billion Rising dazu, dass das Thema
Gewalt gegen Frauen endlich oder wieder in die Öffentlichkeit kam und
Gewaltverbrechen an Frauen angeprangert und schließlich auch vor
Gericht kamen. Frauen aus Syrien und Palästina haben angekündigt,
dass sie dieses Jahr bei One Billion Rising mitmachen wollen und so
Teil der großen globalen Bewegung werden. Das verleiht ihnen Schutz
und Legitimität.


Rising for justice, der Wunsch nach Gerechtigkeit. Es passiert so oft,
dass die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden -egal wo, ob in
Deutschland, im Kongo oder den USA. Und wenn die Frauen sich doch
trauen kann es sein, dass ihnen das Gefühl gegeben wird , selbst
schuld zu sein. Eve Ensler sagt dazu „Man könnte auch sagen, wir
leben in einer Welt, in der es eine Milliarde Löcher in der Ozonschicht
der weiblichen Gerechtigkeit gibt“. Wenn die Verbrechen, die dir angetan
wurden, nicht bestraft werden - welchen Schutz hast du dann noch?
Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die wir heute mit One Billion
Rising anklagen, ist Gewalt im Geschlechterverhältnis, d.h.. sie zielt
nicht nur darauf hin, das Gegenüber zu verletzen und beschämen,
sondern hängt mit der Geschlechtlichkeit von Opfer und Täter
zusammen und hat u.a. zum Ziel, Herrschaftsverhältnisse zu festigen
oder wieder herzustellen. Bei den Beispielen aus dem internationalen
Kontext – wie Massenvergewaltigung oder Mitgiftmorde in Indien- wird
dies deutlicher als bei den Formen von Gewalt, denen Mädchen und
Frauen hier und überall ausgesetzt sind.Sie sind oft subtiler,
verschleierter in unser individualisierten Gesellschaft, in der ja angeblich
die Gleichberechtigung schon durchgesetzt ist.


Gewalt gegen Frauen beschränkt sich nicht auf Kulturen,Regionen,
Länder oder einige Gruppen von Frauen. JEDE DRITTE FRAU weltweit
ist von körperlicher oder sexualisierter Gewalt betroffen - DAS SIND
EINE MILLIARDE FRAUEN ÜBERALL AUF DER WELT. Dazu kommt
psychische Gewalt, strukturelle Gewalt, ökonomische Gewalt.....ein paar
Zahlen:


• 42 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland haben Formen
  von psychischer Gewalt wie systematische Abwertung,
  Demütigung, Ausgrenzung, Verleumdung, schwere Beleidigung,
  Drohung und Psychoterror erlebt.
• Weltweit werden die Hälfte aller ermordeten Frauen von ihren
  jetzigen oder ehemaligen Lebenspartnern getötet, eine von fünf
  Frauen wird im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung
  oder eines Vergewaltigung Versuchs.
• Sexualisierte Gewalt in Kriegskonflikten ist ein schweres
  Verbrechen, sie wird oft bewusst als weitreichende Strategie
  eingesetzt um Gegner zu demütigen, die Bevölkerung in Angst und
  Schrecken zu versetzen und die Gesellschaft zu zerstören
• Frauen zwischen 15 und 44 Jahren sind einen höherem Risiko
  ausgesetzt, Vergewaltigung und häusliche Gewalt zu erleben als
  schwere Erkrankungen und Verkehrsunfälle.
• Mehr als die Hälfte aller Frauen mit Behinderungen in Europa,
  Nordamerika und Australien sind Opfer von Gewalttaten. Im
  Vergleich erleiden etwa ein Drittel der nichtbehinderten Frauen
  ähnliche Angriffe.
• Genitalverstümmelung, Mitgiftmorde, Ehrenmorde Gewalt gegen
  Frauen hat weltweit und hier viele Gesichter...wie auch das des
  Menschenhandels- 500.000 bis zwei Millionen Menschen weltweit
  werden jährlich in die Prostitution und Zwangsarbeit verschleppt,
  80 % der Opfer sind Mädchen und Frauen.
  25% der Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren erleiden lt einer
  neueren engl,. Studie körperliche Gewalt durch Beziehungspartner,
  30% erfahren sexualisierte Gewalt.
  Kontrolle, Verbote, Einschüchterung, Beleidigung und Demütigung
  haben 75 % der Mädchen schon erlebt., auch Jungen erleben dies
  jedoch nicht in einem so hohen Maße, schwerwiegenden Formen
  und nicht mit den gleichen belastenden Folgen für ihr
  Selbstwertgefühl und Wohlbefinden.


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Deutsche Studien sagen,
dass jede siebte Frau mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt
wird. Aber nur 5 % aller Vergewaltigungen werden überhaupt angezeigt.
Und von diesen 5 % enden nur 13 % mit einer Verurteilung des Täters.
Vergewaltigung ist derzeit in Deutschland eine Straftat, die faktisch nicht
sanktioniert wird.


Viele Betroffene schweigen über das, was sie erlebt haben, aus Angst
und oft auch aus Scham. Oft schweigen sie sogar ein Leben lang.
Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, kämpfen nicht nur
mit den Folgen der Tat. Das alleine würde ja ausreichen. Sie kämpfen
auch mit Mythen und Vorurteilen über Vergewaltigung und Gewaltopfer,
die in unserer Gesellschaft immer noch weit verbreitet sind. Und alle
sind tagtäglich von alltäglichem Sexismus betroffenen,wie uns der
hashtag „Aufschrei“ und die anschließende längst überfällige
Sexismusdebatte wieder einmal deutlich machte
Dem allem stellen wir auf vielen Ebenen etwas entgegen! Wir sind
gegen Gewalt tätig!!
RISING FOR JUSTICE – Aufstehen für Recht und Gerechtigkeit
Was können Sie gegen Gewalt an Frauen und Mädchen tun, wie
können Sie engagieren?Was geht weiter nach One Billion Rising ???
Wenn gewaltbetroffene Frauen über das Erlebte sprechen, dann zuerst
und am häufigsten mit Personen aus ihrem nahen sozialen Umfeld
(Freundinnen, Freunde, Familie, Arbeitskolleginnen, etc.). Es ist von
großer Bedeutung für die Betroffenen , wie diese Personen darauf
reagieren. Eine klare Stellungnahme im Sinne einer Verurteilung der
Gewalt und eine solidarische Haltung sind sehr wichtig dafür, dass die
Betroffenen den Schritt unternehmen, sich Unterstützung zu suchen.
Deshalb muss die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema
Gewalt gegen Frauen sich künftig noch stärker an Menschen aus dem
sozialen Umfeld richten.


Frauen müssen die Möglichkeit haben, in Fachberatungsstellen
Unterstützung und Hilfe zu erhalten – beim Thema sexualisierte Gewalt
ist das in Tübingen seit 2,5 Jahren nicht mehr möglich, es gibt kein
finanziertes Angebot. Zusammen mit unseren KollegInennen von TIMA
und Kollegen von den Pfunzkerlen fordern wir die Einrichtung dieser
Fachberatungsstellen und hoffen, dass dies im März im Gemeinderat
endgültig entschieden wird. Auch für Mädchen und Jungen, die
sexualisierte Gewalt erleben, braucht wir dringend das Angebot einer
Fachberatungsstelle.


Eine Gesellschaft wie die unsere, eine Stadt und ein Landkreis wie der
unsere, muss es sich leisten können, für diese Aufgabe Geld
auszugeben.


Frauen, die berufstätig sind, Studentinnen, Frauen ohne
Aufenthaltstitel...alle Frauen sollen das gleiche Recht haben Zuflucht
und Schutz in einem Frauenhaus zu bekommen.Derzeit ist es für sie nur
möglich, unbürokratisch Schutz und Zuflucht zu erhalten wenn das
Frauenhaus in Vorleistung geht. Wo ist da die Gerechtigkeit?
Auf Landesebene sind wir aktiv beteiligt an der Entstehung des
Landeaktionsplans gegen Gewalt gegen Frauen. Baden-Württemberg
ist eines der Schlusslichter in der Finanzierung des
Unterstützungssystems. Das soll sich ändern. Das wäre gerecht.
Es geht um mehr als „nur“ Hilfen für Betroffene. Es geht um
Menschenrechte, um die Verwirklichung des Artikels 1 unseres
Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar! . Es geht
darum, das „ Nein zu Gewalt gegen Mädchen und Frauen“ kein Slogan
für Aktionstage bleibt.: Dafür stehen wir und Sie heute hier.
Vielen Dank dafür !!!!!!

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